"Mord im Schloss Rhede(Sage als Vorlage für die Bilder)

 

Vor vielen Jahren lebte auf dem Schloss ein schönes Edelfräulein. Auf einer benachbarten Burg waren zwei edle Rittersöhne, die das Ritterfräulein heiß liebten. Obschon sie Brüder waren, wussten sie nicht, dass sie beide das Fräulein gleichzeitig liebten.
An einem Sylvesterabend wurde im Rittersaale des Schlosses ein großes Fest gefeiert. Auf dieser Feier flüsterte das Fräulein einem der beiden Brüder heimlich ins Ohr, sie würde in einem Jahr denjenigen zu ihrem Gemahl machen, welcher nach 12 Uhr zuerst die Turmglocke läuten würde. Bald darauf sagte sie dasselbe zu dem anderen Bruder. Als die Uhr im Turm die 12. Stunde schlug, stürmten beide die Treppe hinauf, um die Glocke zu läuten. Der erste blieb auf der obersten Stufe stehen, schaute sich nach dem Geräusch auf der Treppe um und erkannte im Dämmerlicht seinen Bruder. Keiner gönnte dem anderen die Braut.
Darum entspann sich zwischen den beiden ein heftiger Kampf. Sie zogen die Schwerter, und einer der beiden Kämpfer sank tot zu Boden. Der Mörder wurde bald vom Gericht zum Tode verurteilt und durch den Strang hingerichtet.
Die unglückliche Jungfrau aber velor den Verstand. Bald darauf wurde sie durch den Tod erlöst.
In der
Mitternachtsstunde, an jedem Abend des Sylvestertages, soll eine weiße Gestalt durch die Räume des Schlosses wandeln. Auf der Mordtreppe soll sie eifrig versuchen, die Spuren der blutigen Tat, die dort noch manchmal zu sehen sind, zu verwischen.